Land&Forst: Wildschützer im Emsland sehr aktiv

Damit während der Grünroggen- und Grassilageernte möglichst wenig Wild zu Tode kommt, verstärken die Emsländer ihre Bemühungen. Worum es im Einzelnen geht, erfuhren Praktiker neulich in Nordhorn.

Auf insgesamt 40.000 ha Grünland und Ackergras sowie auf etwa 3.000 bis 4.000 ha Grünroggen wird auch in diesem Jahr im Emsland das Thema „Mähtod vermeiden“ eine wichtige Rolle spielen. Aus diesem Grund hatte der Biotop-Fonds der Jägerschaft Emsland/Grafschaft Bentheim e.V. neulich zu einer Informationsveranstaltung nach Nordhorn eingeladen. Und dort gab es Interessantes im Vortrag von Johann Högemann zu hören und zu sehen: einen Oktokopter in Aktion.

Dieses Fluggerät trägt eine Wärmebild- und Echtbildkamera und kann ferngesteuert über die Flächen fliegend Kitze und andere „Wärmequellen“ aufspüren und aufzeichnen. Wie Pascal Janßen und Dennis Röttger, die Konstrukteure des 5 kg schweren Oktokopters, während der Vorführung erklärten, wurden bis nach Ostern insgesamt 14 Probeflächen abgeflogen  und hinsichtlich der Wärmequellen kartiert. Diesen Praxistest finanziert die Landesjägerschaft aus Jagdabgabemitteln.

Maßnahmen

Wie Johann Högemann von der Landwirtschaftskammer-Bezirksstelle Emsland und Josef Schroers von der Landesjägerschaft in Nordhorn betonten, sei dies sehr wichtig, um die Praxis überzeugen zu können. Schroers: „Wir werden zur Wildrettung verschiedene technische Hilfsmittel brauchen, nicht alles ist überall gleichermaßen gut geeignet“. Der Oktokopter hat den Vorteil, dass er am Vorabend oder am Morgen (keine Sonneneinwirkung) ein Areal von einem Durchmesser von 500 m überfliegen kann. Dazu werden ihm die Flächendaten eingegeben und er überprüft die Schläge aus einer Höhe von etwa 15 bis 25 m. „Die Wärmebildkamera zeichnet 12 m breite Streifen auf und sendet die Daten auf den Laptop oder auf das Handy“, so Janßen. Wärmequellen sind als helle Stellen im Land zu erkennen, die Koordinaten für diese Punkte werden aufgezeichnet. Eine genaue Bestimmung, wer oder was die Strahlen aussendet, muss anhand der Echtbildkamera geklärt werden bzw.  durch Nachschauen. „Durch die Aufnahmen am Vorabend der Mahd können die Flächenbewirtschafter sehen, ob sich Wild im Gras befindet und dieses gezielt stören, damit es die Fläche vor der Mahd verlässt“, zeigt Högemann den Nutzen des Oktokopters auf.

Der Berater stellte weitere Hilfsmittel vor, mit denen Wild aufgescheucht/vergrämt  werden kann. Dazu hat der Biotopfonds im Emsland und der Grafschaft Bentheim rund 4.000 weiße 1,5 bzw. 1,8 m lange Markierstäbe sowie Müllbeutel und blau-weißes Trassierband verteilt. Wichtig sei, dass beim Flattermaterial die Farbe Blau verwendet wird, da Wild hierauf besonders reagiert. Sechs bis zehn Stäbe je Hektar würden vor allem im Randbereich aufgestellt. „Zum Aufstellen kann man noch gut den alten schmalbereiften Schlepper nutzen“, so Högemann. Dieser könnte auch mit einem Akustiksignal ausgerüstet werden. Ein solches wurde an dem Veranstaltungsabend an Lohnunternehmer und Hegeringsleiter  verteilt.

Akustiksignal

Insgesamt haben der Biotop-Fond und die Jägerschaft Lingen 50 solcher Akustiksignale angeschafft. Das Akustiksignal (je Großmäher zwei Signale) wird über den Zigarettenanzünder betrieben und gibt einen ohrenbetäubenden Signalton von sich (Ohrenschutz tragen). Mit über 100 dB reagiert nach Rückmeldung der Anwender alles Wild mit Verlassen des Feldes. Gezielt sollte von innen nach außen gemäht werden und im Saum/Randbereich der akustische Signalgeber zum Einsatz kommen.
Edith Kahnt-Ralle

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