Gemeinden holen Randstreifen zurück

Meppen. Anreiz statt Zwang: Mit diesem Mittel will der Landkreis Emsland seine Kommunen dazu ermutigen, die ausgeräumte Landschaft wieder natürlicher zu gestalten, Biotope zu verbinden und vor allem „umgenutzte“ Wegeseitenräume zurückzugewinnen. Im Umweltausschuss hat die Verwaltung eine erste Bilanz vorgestellt.

Der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, Ludger Pott, berichtete, das Bundesnaturschutzgesetz habe den Erhalt und die Wiederherstellung eines Biotopverbundes zwingend vorgeschrieben. Konkret geht es dabei nur darum, die inzwischen verstreut in der Landschaft liegenden Rückzugsgebiete für Tiere und Pflanzen wieder miteinander zu verbinden, zum Beispiel durch Wallhecken, ungenutzte Streifen an Gewässern oder eben naturnah gestaltete Wegeseitenräume.

Gerade diese schmalen, aber wichtigen Lebensräume seien in der Vergangenheit aber zunehmend unter den Pflug geraten, berichtete Pott. Landwirte hätten vielfach die den Gemeinden gehörenden Streifen in zum Teil erheblicher Breite umgepflügt und bestellt. Das war zwar aufgefallen, aber bislang konnten oder wollten die Gemeinden hier kaum gegensteuern. Die Folge: Die ohnehin strukturarme Landschaft verlor auch noch die letzten Blühstreifen und Tiere der Feldflur, etwa Fasanen oder Rebhühner, ihre Kinderstube.

„Wir haben dann eine praxisnahe Lösung entwickelt“, berichtete Pott. Denn statt die Kommunen nur aufzufordern, ihre Seitenstreifen neu auszumessen und zurückzugewinnen, rechne man dies als sogenannte Ökopunkte an, die auch gesammelt werden könnten. Vorteil: Bei Baumaßnahmen, etwa der Erschließung eines neuen Baugebietes, muss der Eingriff in die Natur nicht mehr auf den knappen Ackerflächen ausgeglichen, sondern kann durch die Renaturierung der Seitenstreifen erfolgen – jedenfalls so lange, bis das Ökokonto wieder leer sei.

Außerdem könnten die Gemeinden so ihrer Verpflichtung nachkommen, einen Biotopverbund einzurichten. Das Programm werde inzwischen in anderen Kommunen Niedersachsens ebenfalls eingeführt. Zum Teil in Zusammenarbeit mit der Jägerschaft legen die Gemeinden Blühstreifen oder Hecken an.

Bislang sind nach Potts Ausführungen 23 Gemeinden oder Samtgemeinden aktiv geworden und haben eine Bestandsaufnahme durchgeführt beziehungsweise bereits Flächen ausgepflockt. Vier Kommunen beabsichtigen eine Bestandsaufnahme, sechs sind noch gar nicht tätig. Die Stadt Lingen hat eine eigene Umweltbehörde.

Eine Gesamtbilanz der zurückgewonnenen Flächen gibt es nicht, wohl aber einzelne Ergebnisse, die entweder im Ausschuss von einzelnen Kreistagsmitgliedern mitgeteilt oder im Vorfeld durch die Zeitung abgefragt wurden. So hat die Samtgemeinde Sögel 71 Hektar „besetztes Land“ (Klaus Prekel, CDU) zurückgewonnen, die Stadt Meppen rund 15 Hektar, Haren sechs Hektar, die Gemeinde Oberlangen ebenfalls sechs und Freren 6,5 Hektar.

Alle Beteiligten berichteten, der Aufwand sei groß, und wichtig sei die dauerhafte Kontrolle der neuen, alten Grenzen. Aber die Vorteile seien greifbar, heißt es aus der Harener Stadtverwaltung. So habe man rund die Hälfte der für den Gewerbepark an der A 31 notwendigen Ausgleichsmaßnahmen an Seitenstreifen durchführen können.

Der Ausschuss sprach sich bei einer Enthaltung zustimmend für das Konzept aus. Michael Fuest (Grüne) enthielt sich. Er beklagte, mit dem Programm werde illegales Verhalten ein Stück weit belohnt. Ulrich Ostermann (SPD) drang mit seinem Vorschlag, die Kommunen per Beschluss deutlicher zum Mitmachen aufzufordern, nicht durch. Georg Raming-Freesen (CDU) lobte das Programm, da es der Natur diene und gleichzeitig Flächen schone.

Erschienen am 28.03.2014 in der Ems-Zeitung

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