Mit Kamera-Drohne gegen grausigen Mähtod – Jäger setzen auf Technik zum Schutz von Jungtieren vor Erntemaschinen

500.000 Wildtiere sterben jährlich einen grausamen Tod in Getreidefeldern – sie werden von Mähdreschern zerfetzt. Das wollen Jäger aus dem Emsland und der Grafschaft nicht mehr hinnehmen. Sie testen gegen den „Mähtod“ eine fliegende Wärmebildkamera.

Nordhorn. Ein kleines Rehkitz versteckt sich im hohen Gras eines Getreidefeldes. Am Vortag hat der Landwirt schon einige Methoden zur Vertreibung der Wildtiere angewendet, doch das kleine Kitz war noch zu jung, um seiner Mutter aus dem Feld zu folgen. In dem Glauben, alle Tiere verscheucht zu haben, beginnt der Landwirt mit der Ernte und fährt mit seinem großen Mähdrescher über das Feld. Plötzlich ein Ruck – das Mähwerk hat das Kitz erfasst und zerfetzt.

Ein typischer Fall von „Mähtod“, wie er jährlich tausende Male vorkommt. Wie er verhindert werden könnte, war am Montagabend Thema eines Informationsabends [des Biotop-Fonds] der Jägerschaften des Emslands und der Grafschaft Bentheim für Landwirte und Lohnunternehmer. Denn auch die sind sehr daran interessiert, diese Mähtod-Fälle zu verhindern. Das mit Kadaverteilen verunreinigte Mähgut ist nämlich eine Bedrohung für die damit gefütterten Tiere: Es fördert die tödliche Lebensmittelkrankheit Botulismus.

Die tödliche Gefahr für Jungtiere entsteht, weil die Erntetermine mit den Setzzeiten der Tiere zusammenfallen, erklärte Johann Högemann, Obmann für Naturschutz der Jägerschaft Lingen. Dazu komme, dass heute mit einer Mähgeschwindigkeit von bis zu 15 Stundenkilometer geerntet wird und die Mähdrescher eine Mähbreite von 13 Metern und mehr haben. „Der Landwirt kann nicht mehr rechtzeitig anhalten oder sieht das Tier erst gar nicht“, sagte Johann Högemann.

Gefährlich für die Jungtiere sind vor allem Grünland, Ackergras und Grünroggenfelder, die mit 815000 Hektar in Niedersachsen den größten Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche ausmachen. Da sich rund 70 bis 80 Prozent der Tiere am Rand des Feldes und somit nah zum Wald aufhalten, können Landwirte schon mit dem richtigen Mähverfahren viele Tiere vor dem Tod bewahren. Das Mähen von innen nach außen erhöhe die Fluchtchancen der Tiere, da diese die Flächen ungern über das schon gemähte Feld verlassen. „Dies allein verspricht eine Erfolgsquote von 50 Prozent“ berichtete Johann Högemann.

Aber auch technische Innovationen sollen zukünftig eingesetzt werden. Die Jägerschaft stellte dazu den sogenannte Octakopter vor: Ab Ende dieser Woche wird dieses neue Gerät zur Verhinderung von Mähtod getestet. Der Octakopter soll GPS-gesteuert über das Feld fliegen und mithilfe einer Wärmebildkamera Lebewesen aufspüren. Wenn ein Tier entdeckt wurde, kann es anhand der GPS-Daten aufgespürt und herausgeholt werden, erklärten die Entwickler Pascal Jansen und Dennis Rötger.

„Dieses Projekt wird durch die Landesjägerschaft finanziert, denn wir müssen dieses verdammt leidige Thema Mähtod bekämpfen – ob es aber wirklich 100-prozentig funktioniert, wird sich herausstellen müssen“, sagte Josef Schröer, Mitglied des Biotop-Fonds.

Doch auch ohne diesen „Fliegenden Retter“ gäbe es geeignete Methoden, die vor dem Mähvorgang möglich und nötig seien, meinte Johann Högemann. So stellte er auch einen Signaltongeber vor, der mit hohen und lauten Tönen die Tiere vertreiben soll. Weitere günstige Methoden zum Wildschutz seien einfache Hilfsmittel wie Markierstäbe mit Knistertüten, blauweißes Trassierband oder Riechlappen. Auch das Absuchen der Feldrandbereiche mit Hunden helfe, Wildtiere zu vertreiben. „Wir stehen noch am Anfang der Verhinderung von Mähtod. Doch wichtig ist, dass die Landwirte, Jäger und Lohnunternehmer zusammenarbeiten“, appelliert Högemann an die Anwesenden.

Erschienen am 16.04.2014 in den Grafschafter Nachrichten

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