Die schwierige Hege des Wildes

Im Paradies von Jäger Hans Beckering aus Sögel

Acht Blühstreifen hat Jäger Hans Beckering (rechts) aus Sögel in seinem Revier in Groß Berßen angelegt. Das Bild zeigt ihn zusammen mit dem Sögeler Hegeringsleiter Heinrich Timter. Foto: Hermann Hinrichs

Acht Blühstreifen hat Jäger Hans Beckering (rechts) aus Sögel in seinem Revier in Groß Berßen angelegt. Das Bild zeigt ihn zusammen mit dem Sögeler Hegeringsleiter Heinrich Timter. Foto: Hermann Hinrichs

Acht Blühstreifen hat Jäger Hans Beckering (rechts) aus Sögel in seinem Revier in Groß Berßen angelegt. Das Bild zeigt ihn zusammen mit dem Sögeler Hegeringsleiter Heinrich Timter. Foto: Hermann Hinrichs

Sögel/Groß Berßen. Wenn Jäger Hans Beckering aus Sögel in sein Revier nach Groß Berßen fährt, ist er stolz, aber zugleich auch traurig. Stolz, weil es sein „Paradies“ ist; traurig, weil die Natur seine vielfältigen Bemühungen in der Hege des Wildes nicht so recht danken will.

Und tatsächlich: Selbst in der eher tristen kalten Jahreszeit lässt sich leicht erahnen, dass die Natur auf den rund 150 Hektar im Eigentum der Niedersächischen Landesforsten mehr Platz hat, als häufig andernorts: kaum befestigte Wege, immer mal wieder eine Böschung, kleine verbuschte Areale oder ein Wäldchen. „Es gibt hier keine Siedlerstellen und keine asphaltierten Straßen, dafür aber viele Windschutzstreifen und kleine Biotope“, freut sich Beckering, der in diesem Gebiet seit 2003 dem Weidwerk nachgeht.

Acht Blühstreifen angelegt

Mittlerweile gibt es hier auch acht Blühstreifen. Die hat Hans Beckering, der bereits seit 57 Jahren aktiver Jäger ist, in Eigenregie in seinem Revier angelegt – und das sollen noch mehr werden. Gemeinsam mit den Landesforsten hat er sich darauf geeinigt, an verschiedenen Stellen im Revier sechs bis acht Meter breite Streifen anzulegen, in den Wild das ganze Jahr über Deckung und Äsung (Nahrung) finden kann. „Anfangs habe ich das zusammen mit dem Biotop-Fonds der Jägerschaften sehr erfolgreich gemacht, jetzt setze ich das privat fort“, ist Beckering überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein, um dem Wild bessere Lebensbedingungen zu bieten.

Wildwarner an Landwirte gegeben

Auch sogenannte Wildwarner hat er angeschafft. „Drei Stück – Die habe ich an Landwirte weitergegeben“, sagt der passionierte Jäger. Diese würden beim Mähen einen hohen Ton aussenden, der Wild vertreiben soll. Und sogar eine Auswilderung hat er im August vorgenommen: Zwei Hähne mit jeweils neun Hennen. „Ich habe sie beringt, aber keinen widergesehen“, war diese Maßnahme offenbar nicht Erfolg gekrönt. Doch Hans Beckering weiß aus Erfahrung: Es klappt nicht immer im ersten Anlauf. „Ich versuche es wieder.“ Zur Hege gehört für ihn zudem die Bejagung des Raubwildes, um so die Zahl der Fressfeinde beispielsweise von Fasan und Hase zu verringern.

Seit 13 Jahren der Sögeler Pächter in dem kleinen Revier im Süden der Samtgemeinde Sögel. Er kann sich genau erinnern, wann die Talfahrt mit dem Bestand des Fasans begonnen hat: „Als 2007/2008 die Flächenstilllegung aufhörte, wurden die Flächen wieder umgebrochen. Seither gibt es einen Rückgang.“

Wild braucht im Frühjahr Rückzugsräume

Auch im Revier von Hans Beckering war das der Fall. Mit der Umsetzung der jüngsten Agrarreform hat auch er nun im Winter mehr Deckung. Viele Landwirte setzen auf Zwischenfrüchte, um ihren Pflichtanteil „ökologischer Vorrangfläche“ zu erfüllen. Aber: „Winterdeckung bringt nichts, wenn sich das Wild im Frühjahr nicht vermehren kann.“

Einen wesentlichen Einfluss auf die Natur schreibt Beckering der Landwirtschaft zu. „Die ist immer schneller und größer geworden. Es wird bei Tag und Nacht auf den Feldern gearbeitet. Hase, Fasan, Rebhuhn und Reh haben keine Ruhe mehr.“ Der Sögeler Weidmann ist der Auffassung, dass die als naturverbunden geltenden Landwirte „zu sich selbst finden müssen“. Es gebe viele, die man „gewinnen könne, doch es gebe auch „andere“.

Schulterschluss zwischen Jäger und Jagdgenossen nötig

Der Leiter des Hegerings Sögel und Reviernachbar von Beckering, Heinrich Timter aus Eisten, setzt indes darauf, dass Jäger und Jagdgenossen (Grundeigentümer) im „engen Schulterschluss zusammenarbeiten müssen“, um der Natur Spielraum zu geben. Dabei vermisse er aber auch, dass nicht in allen 55 Revieren des Hegerings die Pächter aktiv auf die Landwirte zugingen. Er schätzt, dass es mit dem Wildbestand in vielleicht einem Viertel der 55 Reviere „annehmbar“ ist, schränkt aber ein: „Das ist hochgegriffen.“ Der „große Schuldner“ ist aus seiner Sicht aber die Politik, die den Rahmen absteckt.

Das alles hilft Hans Beckering und seinem „Paradies“ nicht weiter. Trotz aller Bemühungen will die Natur ihm die nicht vergüten. Doch Beckering ist Optimist: „Man muss weitermachen. Der Erfolg ist nicht immer sofort da.“

Erschienen in der Ems-Zeitung

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