„Hier kann kein Fasan, kein Rebhuhn brüten“ – Hegeringleiter Hanekamp beklagt ausgeräumte Landschaft

Surwold. Bernhard Hanekamp kennt sich im Hegering Surwold aus. Wenn er durch die Reviere fährt und einen Blick aus dem Fenster seines Geländewagens wirft, kommt aber nicht nur Freude auf. Er erkennt auf mehr als 150 Meter Entfernung mit geübtem Auge nicht nur die vier Hasen, die auf der weiten Ackerfläche liegen. Sein Blick kann noch viel weiter schweifen, teilweise kilometerweit, und das stört ihn.

„Hier kann kein Fasan, kein Rebhuhn brüten“, beklagt der passionierte Jäger und Leiter des Hegeringes, zu dem 27 Reviere in Surwold, Esterwegen, Bockhorst und Breddenberg zählen. Auch hat er wenig Verständnis dafür, dass in den Naturschutzgebieten Leegmoor und Kuhdamm-Melmmoor in Surwold und Esterwegen Schonungen und kleine wildaufgewachsene Birkenbestände weichen müssen, damit etwa Kiebitz, Brachvogel und Goldregenpfeifer einen besseren Lebensraum vorfinden. Dabei ist es gar nicht einmal das Abholzen selbst, dass Hanekamp gegen den Strich geht. Er meint: „Wenn die Sträucher wenigstens in der Fläche bleiben würden, anstatt geschreddert und abgefahren zu werden, dann wäre das doch schon was.“ Dieses Problem macht der Jäger aber auch vielerorts außerhalb der Naturschutzgebiete aus. Dort käme noch erschwerend hinzu, dass durch den umfangreichen Anbau von Mais die Natur zunehmend verarme.

Hanekamp kann sich noch gut erinnern, als er 1974 seine ersten jagdlichen Erfahrungen sammelte: „Da habe ich hier noch einen Birkhahn gesehen. Aber kurze Zeit später war das Birkwild komplett verschwunden.“ Heute drohe dem Rebhuhn dasselbe Schicksal. „Wir brauchen einfach wild wachsende Säume, kleine Brachflächen und Grabenböschungen, in denen Dornen wachsen und die nicht zweimal im Jahr abgemäht werden.“ Dann hätten wild lebende Tiere wieder bessere Chancen.

Wie Hermann Wreesmann vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Oldenburg auf Anfrage erklärte, geht es in den Naturschutzgebieten darum, durch weiträumig offene Flächen den Wiesenvögeln optimale Bedingungen zu bieten. Daher seien und würden auch weiterhin in den geschützten Gebieten Birkenaufschläge zurückgeschnitten, um den Druck durch Greifvögel und Rabenkrähen auf die Wiesenvögel möglichst gering zu halten. „Damit wollen wir die Flächen besiedelbar behalten, weil Bäume von den Wiesenvögeln als Ausgangspunkt von Gefahr wahrgenommen werden“, so Wreesmann. Alle Arbeiten würden in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde geplant und letztlich vom Land Niedersachsen bezahlt.

Wreesmann betonte mit Blick auf die etwa von Rebhuhn und Fasan benötigte Deckung, dass beispielsweise entlang von Wegen Sträucher bis zu einer Höhe von zwei Metern „akzeptabel“ seien. Wichtig sei zudem, dass zur Zeit der Kükenaufzucht genügend Insekten vorhanden seien. Da gehe es Wiesenvögeln und etwa dem Fasan ähnlich.

Erschienen am 29.03.2012 in der Emszeitung

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