Biotop-Fonds-Vorsitzender im Interview: Projekt der Jägerschaften: 200 Hektar Rückzugsfläche für wilde Tiere im Emsland und der Grafschaft

Lingen. Beim Biotop-Fonds der Jägerschaften herrscht Zufriedenheit: Das Projekt „Rückzugs- und Saumflächen“ stößt bei Landwirten auf „überwältigende Resonanz“. Das sagte Fonds-Vorsitzender Josef Schröer aus Lingen im Interview mit unserer Zeitung.

Herr Schröer, bis zum gestrigen Dienstag sollten erste Meldungen eingegangen sein, wie viele Rückzugs- und Saumflächen Landwirte im Emsland und der Grafschaft anlegen wollen. Wie groß ist die angemeldete Fläche?

Die Resonanz auf unsere RüSa-Aktion, das heißt Rückzugs- und Saumflächen für wild lebende Tiere in der Feldflur zu schaffen, war überwältigend. Die von uns angestrebte Gesamtfläche von 200 Hektar konnte innerhalb weniger Tage erfüllt worden. Wir danken allen Beteiligten, insbesondere den Landwirten, für die tatkräftige Unterstützung.

Zusätzlich zu den angestrebten 200 Hektar, war es uns sogar möglich für weitere 200 Hektar die Saatgutkosten zu übernehmen. Außerdem besteht für alle Landwirte jetzt noch die Möglichkeit, sich an einem weiteren unserer Projekte „Einjährige Blühstreifen“ zu beteiligen. Auch hier tragen wir die Kosten für das Saatgut. Landwirte, die Interesse an der Anlage eines solchen Blühstreifens haben, können die örtlichen Jäger darauf ansprechen.

Welches vorläufige Fazit ziehen Sie?

Durch die intensive Arbeit unserer Hegeringleiter ist es in sehr kurzer Zeit gelungen, die gewünschten Flächen zu generieren. Sie tragen maßgeblich zum Erfolg unserer Arbeit bei. Unsere Aussage, dass alle „Akteure der Feldflur“ hier gefordert und auch gewillt sind, zum Wohl der Artenvielfalt beizutragen, das heißt Jäger und Landwirte ebenso wie Angler, Imker und alle anderen Naturnutzer, wird wieder bestätigt. Besonders erwähnenswert ist die Zusammenarbeit mit dem Emsländischen Landvolk, der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und dem Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe 3N in Werlte.

Die Zuschussanträge, die der Biotop-Fonds beim Landkreis Emsland und der Naturschutzstiftung eingereicht hat, sind noch nicht entschieden. Woran liegt das?

Politische Entscheidungen brauchen Zeit. Unsere Argumente, uns in unserem Tun zu unterstützen, sind anerkannt, und wir sind uns sicher, dass wir den intensiven Austausch mit den Landkreisen in den nächsten Wochen zu einem positiven Abschluss bringen werden.

Der Biotop-Fonds bietet Landwirten umgerechnet 500 Euro pro Hektar sowie kostenloses Saatgut. Wie hoch sind die Ausgaben, wenn 200 Hektar erreicht werden, und wie wird diese Summe nun finanziert?

Unser Biotop-Fonds hat viele Freunde und Förderer gefunden. Beteiligt sind Unternehmen der Region ebenso wie Stiftungen und Privatpersonen. Selbstverständlich spielt der Eigenanteil der Jäger eine große Rolle. Außerdem hat uns das Land Niedersachsen Fördergelder aus Jagdabgabemitteln zugesagt. Weitere Finanzierungsanträge sind gestellt, und wir erhoffen uns im Laufe der nächsten Monate eine noch breitere Unterstützung unserer Arbeit.

Ist diese Vorgehensweise ein Übergangsmodell bis zur Umsetzung der anstehenden Agrarreform, die ökologische Vorrangflächen verpflichtend einführen will?

Eine Fortführung der gemeinschaftlichen Agrarpolitik der Europäischen Union ist für 2014 vorgesehen. Die Ausgestaltung wird derzeit diskutiert. Wir wollen bereits jetzt für die Artenvielfalt in der Feldflur aktiv werden, um nicht noch weitere zwei Jahre untätig verstreichen zu lassen. Bestenfalls dient diese Arbeit den politischen Entscheidungsträgern als Modell, praxisorientierte Agrarumweltmaßnahmen zu entwickeln.

Welche Ideen gibt es für die Zeit ab 2014?

Momentan befinden wir uns in Abstimmungsgesprächen mit anderen Jägerschaften Niedersachsens, um unsere Gestaltungsvorschläge zur Agrarreform 2014 zu konkretisieren und gemeinschaftlich einzubringen.

Erschienen am 11.04.2012 in der Ems-Zeitung

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