Grasernte: So schonen Sie das Wild !

Schlagkräftig ernten und dabei das Wild schonen – das muss kein Widerspruch sein! Wir haben mit Jägern und Landwirten über Tipps und Tricks gesprochen, die einfach sind und nichts kosten.

Ducken und Tarnen schützen Hase und Reh zwar vor dem Fuchs, nicht aber vor dem „Schmetterling“.
Natürlich sind wir Landwirte und Lohnunternehmer nicht gewissenlos. Trotzdem sind unsere breiten Maschinen wie eine Mähwerks-Triple-Kombination und hohe Geschwindigkeiten eine nicht zu unterschätzende Gefahr – vor allem für Wildtiere. Verluste entstehen in erster Linie beim Mähen von Grünflächen, da diese vielen wildlebenden Tieren als Rückzugsraum und Schutz dienen.

Verkannte Gefahr: Es ist nicht nur der Schaden, den die Natur und nicht zuletzt die Artenvielfalt nehmen, im schlimmsten Falle gefährden wir mit verseuchtem Futter auch noch unsere eigenen Nutztiere. Offizielle Zahlen zum Botulismus gibt es zwar keine, da die Krankheit nicht meldepflichtig ist. Doch die inoffiziellen Fälle sind leider hoch – viel zu hoch! Im schlimmsten Falle kann eine durch Wildkörper verseuchte Silage eine ganze Herde ins Wanken bringen oder sogar töten.

Das Hauptproblem ist, dass die frühen Erntetermine von Grünland, Ackergras und Grünroggen genau in die Brut- und Setzzeiten vieler Wildtiere fallen. Spätere und weniger Schnitte bedeuten Ertrags- und Qualitätseinbußen und stellen in intensiven Bewirtschaftungsformen keine akzeptable Lösung dar.
Auch technische Helfer, wie Infrarotsensoren oder Beschallungseinrichtungen direkt am Mähwerk bzw. am Schlepper, lösen das Problem allein nicht zuverlässig. Sie erkennen Tiere zwar oder schrecken sie auf, die Flucht scheitert aber u.U. an der Gerätebreite und Geschwindigkeit beim Mähen. Außerdem verursachen solche Techniken zusätzliche Kosten.

Mähtermin kommunizieren! Zusätzliche Technik ist nach Erfahrungen von Jägern auch gar nicht unbedingt notwendig. Viel günstiger und effektiver ist der gute Draht zwischen Landwirt und Jagdpächter. Eine frühe und gute Kommunikation ist der effektivste Wildretter! Informieren Sie Ihren Jagdpächter deshalb rechtzeitig, mindestens zwei Tage vorher, über den anstehenden Schnitttermin.
Und weil die Ernte oft Stress bedeutet, sollten beide Seiten einander helfen. Im Zweifel – vor allem bei unsicherer Wetterlage – muss es nämlich schnell gehen und der Anruf beim Jäger gerät ungewollt
in Vergessenheit. Sprechen Sie den Jagdpächter deswegen schon vor der heißen Phase an, dann kann er notfalls auch auf Sie zurückkommen.

Spätestens wenn Sie Ihrem Lohnunternehmer den Auftrag zum Mähen erteilen, sollten Sie auch den Jäger informieren. Meistens bleibt dann noch ausreichend Zeit, um die richtigen Maßnahmen zum Schutz des Wildes zu ergreifen. „So früh wie möglich drüber sprechen“ ist das entscheidende, rettende Kriterium!

Im schlimmsten Fall: Dass man sich als Landwirt und Grundstückseigentümer beim Mähen sogar strafbar machen kann, hat ein hessisches Amtsgericht in einem Präzedenzfall herausgearbeitet. Hier hat ein Landwirt trotz ähnlicher Vorkommnisse in der Vergangenheit und trotz eindringlicher Warnungen und Bitten seines Jagdpächters beim Mähen eines Feldes gleich mehrere Rehkitze erfasst.

Das Gericht sah den Straftatbestand nach dem Tierschutzgesetz erfüllt, dass der Landwirt „ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund getötet hatte“. Auch wenn die Richter dem Landwirt keine
Absicht unterstellten, nahm der Angeklagte ihrer Auffassung nach billigend in Kauf, dass sein Mähwerk
die Rehe erfassen werde. Diese Entscheidung ist mittlerweile in der jagdrechtlichen Literatur veröffentlicht worden und liegt auch Gerichten und Staatsanwaltschaften vor. Aber so weit muss es nicht kommen!

Zeit vor der Mahd nutzen! In der Praxis haben sich nämlich vor allem bei größeren
Säugetieren wie dem Feldhasen oder dem Reh die sogenannten Vergrämungsmethoden
bewährt. Dabei beunruhigen Jäger und Landwirte die Ernteflächen gezielt in den Stunden vor dem Mähtermin – idealerweise am Vorabend. Denn vor allem junge Kitze verlassen die Fläche nicht
von allein, sondern werden dann von den Ricken aus der Fläche geführt.

Als optimaler Zeitpunkt haben sich 12 bis 24 Stunden vor dem eigentlichen Mähbeginn erwiesen. Nutzen Sie einfache Hilfsmittel wie an Stangen angebrachte Knistertüten und Flatterbänder.
Diese sind enorm effektiv. Das Flatterband sollte übrigens blau sein, da Wild die Farbe besser wahrnimmt als Rot.

Vergrämungsmittel

Gute Lösung: Flatterbänder, Knistertüten und Duschradios in den Stunden vor der Mahd vergrämen das Wild.

An Dachlatten angebrachte Duschradios haben sich vor allem bei Niederwild bewährt. Diese kleinen Unruhestifter bekommen Sie bereits für unter 10 € im Internet. Je ein bis zwei solcher Maßnahmen
pro Hektar reichen schon aus, damit Wild und auch einzelne Vögel die Fläche verlassen. Wer hat, kann übrigens auch einen Schussapparat nutzen.

Wichtig ist, dass Sie die Vergrämungsmaßnahmen auf keinen Fall zu weit vor dem Schnitttermin durchführen. Wild gewöhnt sich schnell an Veränderungen in seinem Revier und bezieht die Fläche dann wieder. Nachteil der Vergrämungsmethoden ist, dass sie bei brütenden Wiesenvögeln leider nicht funktionieren Wenn Sie über 100 ha ersten Schnitt mähen, ist es natürlich unmöglich, auf der kompletten Fläche Vergrämungsmaßnahmen durchzuführen. Sprechen Sie in dem Fall mit Ihrem Jagdpächter ab, in welchen Flächen er am ehesten Wild vermutet und „beunruhigen“ Sie zumindest diese Flächen.

Achtung Randbereich: Konzentrieren Sie sich auch auf die Randbereiche. Denn der Großteil des Wildes (70 bis 80 %) nutzt diesen Rand bzw. Saumbereich der Flächen. Hier finden die Tiere den besten Schutz. Beim Absuchen dieser Bereiche können Jäger mit ihren Hunden helfen. Allerdings erreichen nur sehr gut ausgebildete Hunde eine zufriedenstellende Trefferquote, da viele Jungtiere kaum Geruch abgeben.

Wenn Sie ein Kitz gefunden haben, fassen Sie es nicht mit bloßen Händen an!Die Ricke würde die menschliche Witterung wahrnehmen und ihr Junges nicht wieder aufnehmen. Tragen Sie es
am besten mit Handschuhen und frischem Gras aus dem Gefahrenbereich und legen es z.B. unter einen Baum oder auf den nächsten Weizenacker.

Während der Mahd: Wenn irgendwie möglich vermeiden Sie das Mähen in der Dunkelheit. Durch die hellen Scheinwerfer flüchten Wildtiere noch weniger, sondern drücken sich instinktiv.

Die richtige Schnitthöhe rettet zwar kaum Wild, dafür jede Menge bodennah lebende Tiergruppen wie Kleinsäuger und Amphibien. Ganz nebenbei mähen Sie sich erheblich weniger Dreck ins Futter und die Narbe wächst deutlich schneller nach. 8 bis 10 cm sind ideal.

Von innen nach außen: Unbedingter Grundsatz beim Mähen sollte sein: von innen nach außen!Doch in der Praxis ist oft noch das Gegenteil der Fall, das Wild wird ungewollt in die Mitte getrieben, da die Tiere die Fläche nicht über die schon gemähten Schwaden verlassen. Das Mähen von innen nach außen ist dabei völlig kostenneutral und vor allem mit FrontHeck-Kombinationen oder dem Schmetterlings-Mähwerk auch kein zeitlicher Nachteil. Holen Sie auch Ihren Lohnunternehmer ins Boot und sprechen Sie mit ihm diese Mähmethode ab.

Beim Mähen gibt es viele Indizien, die auf einen jungen Hasen, ein Kitz oder ein Vogelgelege hinweisen. Auffliegende Wiesenvögel können ebenso auf Nachwuchs hinweisen wie flüchtende Rehe, die in aller Regel in einem gewissen Abstand stehen bleiben und zurückblicken. In solchen Bereichen sollten Sie aufpassen und die Geschwindigkeit reduzieren.

Natürlich lassen sich Verluste trotz aller Maßnahmen und Vorsicht nicht zu 100 % vermeiden. Das verlangt auch keiner. Doch was machen, wenn’s wirklich passiert ist? Benachrichtigen Sie in jedem Fall umgehend Ihren Jagdpächter. Er ist laut Gesetz derjenige, der ein noch lebendes Tier erlösen darf. Verhindern Sie unbedingt, dass Tierkörper in die weitere Futterkette geraten!

„Wildmagnet“ Grünroggen: Noch viel problematischer als Grünland sind Grünroggenschläge.
Von Mitte April bis Anfang Mai sind sie oft die einzigen landwirtschaftlichen Flächen mit ausreichend Deckung. Die Wildtierdichte ist besonders in gehölzarmen Landschaften sehr hoch. Auf Rehwild und Fasane wirkt der Grünroggen wie ein Magnet. Die lichten Reihenabstände und die Unkraut?ora zu
diesem Zeitpunkt bietet optimalen Schutz und eine attraktive Äsung.
Die vorgestellten Vergrämungsmaßnahmen sind – genauso wie das Mähen von innen nach außen – vor allem im Grünroggen sehr erfolgreich. Lassen Sie einen zwei bis drei Arbeitsbreiten großen  Randstreifen stehen und diesen dann von Jägern mit ihren Hunden durchsuchen, bevor Sie den Streifen zum Schluss mähen.

Langfristiger Schutz: Da die Rand- und Saumbereiche vor allem beim Wild besonders begehrt sind, lohnt es sich hier die Nutzung zu überdenken. Die Möglichkeiten sind sehr vielseitig. Randstreifen, die nicht gerade im Schatten von Bäumen liegen, könnten Sie z.B. beim ersten Schnitt stehenlassen, um sie später für die Heuernte zu nutzen. Zur Heuzeit kann das junge Wild diese Streifen dann selbstständig verlassen.

Randstreifen, auf denen Ihr Futter immer wieder mäßig wächst oder schlecht trocknet, bieten sich auch für dauerhafte Wildackermischungen an. Mehrjährige Rückzugs- und Saum?ächen locken das wildlebende Tier aus der intensiv genutzten Fläche und entschärfen die Problematik beim Mähen in den nächsten Jahren.

Blühstreifen anlegen: Blühende Feldränder sehen nicht nur schön aus. Sie sind eine echte ökologische Aufwertung, erhöhen die Artenvielfalt und fördern zusätzlich die Akzeptanz. Schon wenige, gezielt angelegte Blühstreifen mit blühenden P?anzen vom Frühjahr bis zum Spätherbst helfen Ihnen  außerdem bei der Mähstrategie von innen nach außen, da sie die Tiere quasi anziehen.
Aber auch Blühstreifen sind keine Garantie, die alle Tiere überleben lässt. Nur mit der richtigen Kommunikation und einer angepassten Mähstrategie kommen wir alle gemeinsam weiter. J.-M. Küper

Emsländischer Biotop-Fonds macht Schule

Ende 2011 gründeten in Niedersachsen drei Jägerschaften aus dem Emsland sowie die Jägerschaft der
Grafschaft Bentheim einen BiotopFonds zum Erhalt der Artenvielfalt. Gemeinsam mit den Landwirten ihrer Region wollen sie eine Biotopvernetzung herstellen, um so die Artenvielfalt wieder in die Fläche zu bringen. Erste konkrete Projekte des 10-Punkte-Maßnahmenkataloges des Fonds fruchten schon:

  • Anlegen von ein- und mehrjährigen Blühstreifen in der Agrarlandschaft als Rückzugs-, Saum- und Äsungsflächen für wildlebende Tiere.
  • Maßnahmen zur Rettung von Wildtieren bei der Mahd.
  • Anlage und Pflege von Strukturelementen wie Gewässern, Streuobstwiesen und Hegebüschen.
  • Anbau von Zwischenfrüchten zur Verbesserung der Deckungsmöglichkeiten in den Wintermonaten.
  • Wiederherstellung von Wegeseitenräumen und Gewässerrandstreifen.

Mehr Infos unter: www.biotopfonds.de

Erschienen in der topagrar 05/2013 Ganzer Artikel ->

topagrar 05/2013: Grasernte: So schonen Sie das Wild!
topagrar 05/2013: Grasernte: So schonen Sie das Wild!
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