Biotop-Fonds im Emsland erörtert Wildvergrämung vor der Ernte – Duschradio und Knistertüte sollen Mähtod verhindern

Geeste-Dalum. Ein dudelndes Duschradio, ein flatterndes Band, eine knisternde Tüte: So unterschiedlich diese Gegenstände auch sein mögen, sind sie nach Erkenntnissen von Fachleuten aus Jagd und Landwirtschaft sehr zweckmäßig. Nämlich dann, wenn es darum geht, Wildtiere zu vergrämen, damit sie bei der Ernte nicht unter den Mäher kommen – und dadurch ums Leben.

Wie kann man den Mähtod verhindern? Diese Frage beantworten will eine von insgesamt zehn Projektgruppen des Biotop-Fonds der Jägerschaften Emsland/Grafschaft Bentheim, der im vergangenen Jahr gegründet wurde. Beim jüngsten Treffen der Projektgruppe in Dalum, an dem etwa 40 Jäger, Landwirte und Lohnunternehmer teilnahmen, erläuterte Johann Högemann, Agraringenieur und Fachberater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, wie sich auf diesem Feld dem Verlust der Artenvielfalt entgegenwirken lasse.

Der Fachmann zeigte auf, dass die Wildbestände schon immer von Veränderungen der Agrarlandschaft und der Produktionsmethoden beeinflusst gewesen seien. Besonders Grünroggen wirke heute auf Wildtiere wie ein Magnet. Problematisch sei, dass die Erntetermine von Grünland und Ackergras mit den Setzzeiten der Wildtiere zusammenfielen. Der Mähtod, dem deutschlandweit etwa 500.000 Tiere pro Jahr zum Opfer fallen, lässt laut Högemann nicht nur den Wildtierbestand schrumpfen. Auch auf Rindvieh-Betriebe wirkt er sich aus, wenn durch Wildkörper verunreinigte Silagen die Vergiftung Botulismus verursachen.

In der von Högemann umrissenen Erntestrategie informiert der Landwirt die Jäger rechtzeitig, wann er zur Mahd schreiten will. Die Jäger bringen am Abend vor dem Schnitt Unruhe in die Ernteflächen: So setzen sie Hilfsmittel ein, wie ein Radio als Schallquelle, knisternde Tüten an Markierstäben, rot-weißes oder blau-weißes Trassierband sowie Riechlappen. Dies soll vor allem im Saumbereich des Feldes geschehen, wo sich erfahrungsgemäß 70 bis 80 Prozent des Wildes aufhalten.

Duschradio und Knistertüte allein tun es freilich nicht. Auch das Absuchen im Randbereich mit Unterstützung eines Hundes ist laut Högemann ratsam: „Im Saumbereich sollte gezielter vergrämt werden.“ Wenn Landwirt oder Lohnunternehmer anschließend mit der Mahd beginnen, ist es demnach angebracht, von innen nach außen zu mähen. Somit sollte der Rand eines Feldes zunächst stehen bleiben, „um dem Wild die Chance zu geben, herauszukommen“.

Anders sei es bei Feldern, die an stark befahrene Straßen grenzen und deren Saum aufgrund der Motorengeräusche ohnehin geringer von Wild bevölkert sei. Hier solle zunächst am Rand gemäht werden, um somit einen Fluchtweg zu schaffen. Vom Mähen in der Dunkelheit riet der Fachmann ab, „da viele Wildtiere durch die hellen Scheinwerfer nicht flüchten, sondern sich instinktiv drücken“.

Erschienen am 12.04.2012 in der Ems-Zeitung

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Bericht "Grünroggenmahd im Emsland"
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