Jägerschaft besorgt über Rückgang des Niederwilds – Winterversammlung 2012 rückt Lebensumstände von Fasanen, Hasen und Rehen in den Mittelpunkt

gn NORDHORN. Der Vorsitzende der Jägerschaft Grafschaft Bentheim, Klaus Stamme, konnte zur Winterversammlung 2012 der Grafschafter Jägerschaft zahlreiche Gäste begrüßen. Eröffnet wurde die Veranstaltung durch die Bläsergruppe des Hegerings I Bad Bentheim, verstärkt durch Mitglieder der Gruppe Hegewald, unter musikalischer Leitung von Werner Lau.

Das Thema des Abends war die Niederwildhege. Ein Thema, das angesichts der zurückgehenden Strecken, insbesondere bei den Fasanen, von großer Bedeutung ist. An erster Stelle standen Anmerkungen zum Anschluss der Jägerschaft an einen Biotop-Fonds, der insbesondere das Problem der Niederwildhege im Bereich der Grafschaft Bentheim, aber auch im Bereich der Jägerschaften des Emslandes, aufgegriffen hat (die GN berichteten). Dieser Biotop-Fonds hat das Ziel, zur Stützung der Niederwildbesätze ein ganzes Bündel von Maßnahmen durchzuführen. In diesem Zusammenhang geht es in erster Linie um mehrjährige Flächen, aber auch um einjährige Blühstreifen, um Fressfeinde, Maßnahmen gegen den Mähtod, um die Förderung des Zwischenfruchtanbaus und um die Nutzung der Wegeseitenräume und Gewässerrandstreifen zur Verbesserung der Lebensbedingungen des Niederwildes. Selbstverständlich sei klar, so die Jägerschaft, dass man den Landwirten für derartige Streifen auch eine angemessene Entschädigung zahlen müsse. Angemessen sei ein Hektarbetrag, der auch der üblichen Pacht entspreche. Außerdem müsse die Beihilfeberechtigung erhalten bleiben.

Die Anmerkungen zum Biotop-Fonds leiteten über zum Kernthema des Abends: Die Niederwildhege in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Es folgte ein Vortrag von Jens Krüger, der darlegte, dass drei wesentliche Gründe zum Rückgang der Artenarmut beitragen und somit auch den Rückgang der Niederwildbesätze verursachen. Als erstes sei der Verlust der kleinbäuerlichen Landwirtschaft mit seinem geprägten Landschaftsbild aus Knicks, Feldholzinseln, Streuobstwiesen, Feuchtgebieten und dem Einsatz wildfreundlicher kleiner Maschinen zu nennen, Einstige wichtige Kräuter seien zudem selten geworden. Zudem machten die steigenden Raubwildbesätze wie insbesondere der Fuchs dem Niederwild zu schaffen. Rabenkrähen hätten ebenfalls wie bestimmte Greife enorm zugenommen. Selbst das Wetter, als dritter wichtiger Faktor sei nicht mehr so wie einst. Die Sommer haben lang anhaltende Regenperioden, der milde Herbst sei oft geradezu durchgehend Wolken verhangen und fördere somit verschiedene Krankheiten. Anhaltende Fröste blieben in den oft zu milden Wintern aus und Krankheiten könnten somit durchgehend eine potenzielle Gefahr bilden. Die Herbst- wie Wintermortalität sei somit nach dem Ernteschock sicherlich höher geworden.

Den jetzigen Überlebenskampf vieler Wildarten bekomme man gar nicht so recht mit, bekannte Krüger. Vieles bleibe im Verborgenen. Der Sommer aber sei von entscheidender Bedeutung für sämtliche Haar- und Federwildarten und für die Artenvielfalt ganz allgemein. Der Referent schilderte die Vermehrungsgewohnheiten und Aufzuchtstrategien der einzelnen Arten sowie ihre Bedürfnisse. Ohne besondere Vielfalt und die „schützende Hand des Jägers“ aber werde der Rückgang des Niederwildes anhalten.

Erschienen am 09.02.2012 in den Grafschafter Nachrichten

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