Vizepräsident der Jäger in Haren: „Wer nichts tut, hat von vornherein verloren“

rav HAREN. Der nicht nur im Emsland zu beobachtende drastische Rückgang des Niederwildbesatzes hatte den Hegering Haren veranlasst, den Vizepräsidenten der Landesjägerschaft Niedersachsen, Josef Schröer, zu einer öffentlichen Vortrags- und Diskussionsveranstaltung einzuladen.

Unter den Zuhörern nicht nur der Vorsitzende der Jägerschaft Meppen, Franz Düsing. Sondern auch der Beauftragte für die Nutria-Bejagung in der niederländischen Region Groningen, Drenthe und Overijssel, Henk van der Steen. Schröer vermutete als Ursachen für den drastischen Rückgang bei vielen Niederwildarten eine Kombination unterschiedlicher Faktoren, zu denen der Wandel in der Agrarpolitik mit weniger stillgelegten Flächen als Folge, eine intensive Landwirtschaft und sich ausweitende Monokultur und durch den verstärkten Bioenergiepflanzenanbau sowie aus seiner Sicht „falsches Mähen“ ebenso gehörten wie die Zunahme der Raubtiere wie Fuchs, Marderhund, Waschbär und Dachs sowie die Beutegreifer unter den größeren Vögeln, die er als „Gewinner der Entwicklung“ bezeichnete. Zu den „absoluten Verlierern“ zählte Josef Schröer neben Hasen und Kaninchen auch den Fasan und das Rebhuhn.

„Wenn wir unser Niederwild und unsere Wiesenvögel schützen wollen, kommen wir an einer Bejagung der Prädatoren (Räuber) nicht vorbei“, unterstrich der LJN-Vizepräsident. Er schlug neben dem Mähen von innen nach außen die Anlage von Bejagungsschneisen in großen Maisschlägen und die Einsaat von Ackerflächen mit Wildackermischungen. Er stellte fest: „Unsere Naturlandschaft weicht mehr und mehr einer Kulturlandschaft.“

Er warb für die Entwicklung eines praxistauglichen Agrarumweltprogrammes und stellte in diesem Zusammenhang den von den Jägerschaften des Emslandes und der Grafschaft Bentheim konzipierten Biotop-Fonds vor. Dieser verfolge das Ziel, zur Stützung der Niederwildbesätze ein ganzes Bündel von Maßnahmen durchzuführen.

Es gehe in erster Linie um mehrjährige Flächen, aber auch urn einjährige Blühstreifen, um Maßnahmen gegen den Mähtod, um die Förderung des Zwischenfruchtanbaus, um die Nutzung der Wegeseitenräume und um Gewässerrandstreifen zur Verbesserung der Lebensbedingungen des Niederwildes.

Leidenschaftlich

Geradezu leidenschaftlich trat Josef Schröer für Rückzugs- und Saumflächen (RüSa) für wild lebende Tiere und Artenvielfalt in der Agrarlandschaft ein. Mit entsprechenden Maßnahmen würden den Tieren weitgehend ungestörte Saumzonen Rückzugs- und Deckungsmöglichkeiten geschaffen. „Wir Jäger können uns nur mit außerordentlicher Naturschutzarbeit qualifizieren“, sagte der Vizepräsident. Er räumte ein, dass alle erforderlichen Maßnahmen auf Dauer mit „Jägergeld“ allein nicht zu finanzieren seien. „Aber wenn wir glaubhaft bleiben wollen, müssen wir in Vorleistungen treten“, fügte er hinzu.

Erschienen in der Emszeitung am 17.07.2012

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