Zehn-Punkte-Plan für Vielfalt – Jägerschaften im Emsland und in der Grafschaft Bentheim gründen Biotop-Fonds

Geackert bis zum Asphalt

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Meppen. Die Jägerschaften der Altkreise Aschendorf-Hümmling, Meppen, Lingen und der Grafschaft Bentheim haben einen Zehn-Punkte-Plan entworfen, mit dem sie aktiv den „dramatischen Verlust der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft“ bekämpfen wollen.

Zu diesem Zweck haben die Jäger landkreisübergreifend den „Biotop-Fonds Jägerschaften Emsland/Grafschaft Bentheim e.V.“ gegründet und ihn in Meppen den 38 Hegeringleitern als „wichtigsten Multiplikator“ vorgestellt.

Den Vereinsvorsitz hat der Lingener Josef Schröer, der auch Vizepräsident der Landesjägerschaft Niedersachsen ist. Schröer erläuterte das Vorhaben gemeinsam mit Wilhelm Klumpe (Kreisjägermeister im Emsland) und Gerrit Nykamp (Kreisjägermeister in der Grafschaft Bentheim) sowie weiteren Verantwortlichen. Die Hegeringleiter sollen die Idee nun offensiv in Jägerschaften, Politik und Landwirtschaft tragen, die alle ausdrücklich als Partner gesehen werden.

Jagdstrecken-NJ-BerichtSchröer stellte eine „erschreckende“ Eröffnungsbilanz auf. Danach ist die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft der beiden Landkreise immer weiter zurückgegangen. Das lasse sich bei Weitem nicht nur an der Zahl der erlegten Hasen, Fasanen und Rebhühner ablesen, deren Jagdstrecke in kurzer Zeit um bis zu zwei Drittel gesunken sei. Auch sonst sei der Verlust greifbar.

„Dafür gibt es mehrere Gründe“, sagte Schröer. Der Wichtigste liege in der Monotonisierung der Agrarlandschaft, in der Saumstrukturen ebenso weggefallen seien wie Wegeseitenräume, Hecken und Feldgehölze. Seit 2007 gebe es zudem keine Flächenstilllegungen mehr, wodurch letzte Rückzugsflächen verschwunden seien.

Weil es keine Deckungsmöglichkeiten mehr gebe, könnten Fuchs und Krähe den Rückgang einiger Arten beschleunigen. Der Maisanbau nehme durch die Biogasanlagen zu, Grünland werde vier- bis fünfmal pro Jahr gemäht, die Kommunen verbrauchten zu viel Land.

Den Jägern gehe es bei ihrem Engagement natürlich um jagdbare Arten, sagte Schröer. Aber ebenso wichtig sei ihnen, den Verlust an Wiesenvögeln, kleinen Bodenbrütern, Wildblumen oder Insekten zu bekämpfen. Das Niederwild sei nur ein Teil des Ökosystems, sagte Schröer und verwies darauf, dass die Jägerschaften als anerkannte Naturschutzverbände verpflichtet seien, sich um die Erhaltung von Lebensräumen zu kümmern.

Deshalb hat der Biotop-Fonds zehn Projektvorschläge erarbeitet, die ab Januar je nach Möglichkeiten zunächst drei Jahre lang in die Tat umgesetzt werden sollen. Am wichtigsten und am teuersten sei die Bereitstellung von mehrjährigen Stilllegungsflächen, sagte Schröer. Die Schaffung von Blühstreifen solle fortgeführt werden. Das Prädatorenmanagement, also die Regulierung von Beutegreifern, solle verbessert, die Bekämpfung des Mähtodes in Grünroggenfeldern und auf Wiesen fortgesetzt werden. Nisthilfen sollten angebracht werden, um auch Schwalben oder Fledermäusen zu helfen.

Bei der Vermeidung von Wildunfällenwolle man ebenso tätig sein wie den Versuch unternehmen, Hecken oder Streuobstwiesen wieder in die Landschaft zu bringen. Alte Grünlandnarben wolle man mit Wildkräutermischungen aufwerten und Zwischenfrüchte als Winterdeckung anbauen.

Diskussionen rief das Projekt Wegeseitenräume hervor. Dabei geht es darum, öffentliche Flächen, die „unbeabsichtigt in die landwirtschaftliche Produktion genommen wurden“, wiederherzustellen und so vorhandene Biotope zu verbinden. Viele Hegeringleiter hatten Beispiele parat, wie aus zwölf Meter breiten Feldwegen drei Meter schmale Rinnen geworden sind oder wie die Räumstreifen an Gewässern zu Maisäckern wurden. Hier soll gegengesteuert werden.

Nun werden zehn Projektgruppen gebildet und zum Teil externe Berater einbezogen. Gemeinsam mit Kommunen und Landwirten will man die Probleme angehen – erste Vorgespräche waren nach Schröers Angaben erfolgreich. Dass auf den gesamten 342.748 Hektar der beiden Landkreise schnell gehandelt werden könne, glauben die Jäger nicht. Aber sie wollen anfangen.

„Den Schalter umlegen“

Das dafür notwendige Geld soll bei Stiftungen, Firmen oder Behörden eingeworben werden, und hier gibt es bereits Erfolge. Die Jäger betonten, es gehe ihnen nicht um Schuldzuweisungen an Landwirte, sondern darum, einer erkannten Fehlentwicklung entgegenzuwirken. „Wir müssen den Schalter umlegen“, sagte Josef Schröer. „Sonst ist es zu spät.“

Die Hegeringleiter unterstützten das Vorhaben. Einige gaben zu bedenken, dass bei Fasanen auch Krankheiten eine Rolle spielten (wir berichteten). Hierzu gibt es nach Schröers Angaben noch keine neuen Erkenntnisse. Zweiter Vorsitzender des Biotop-Fonds ist Wilhelm Schepers (Sögel) und Kassenwart Klaus Meixner (Nordhorn).

Veröffentlicht vonin der Lingener Tagespost am 20.12.2011 und in den Grafschafter Nachrichten am 22.12.2011

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